Historie des Messegeländes Villingen-Schwenningen

Die erste Messe „Südwest stellt aus“ 1950 in den schwierigen Nachkriegsjahren ist Ausdruck und Symbol für den Wiederaufbau und den Willen, den eigenen Wirtschaftsraum zu beleben. Die erste Veranstaltung ihrer Art bleibt eine große Leistung und ein erfolgreicher Start für die Zukunft.
Die Ausrichtung der nächsten Messe wird an eine erfahrene private Messegesellschaft vergeben – das Büro für Organisation und Wirtschaftswerbung (BOW), geleitet von Fritz Glunk und Kurt Langer. Bei den Vorbereitungen für die Standvermietung stellt sich schnell heraus, dass die bisher genutzten Räumlichkeiten mitten in der Stadt Schwenningen – das Beethovenhaus, die Friedensschule, neun Ausstellungszelte sowie das Freigelände – für die kommende Ausstellung in größerem Rahmen nicht reichen. Eine Alternative bietet das Anwesen der Turngemeinde 1859 Schwenningen. Zu fairen Bedingungen kann die Stadt Schwenningen ein geschlossenes Messegelände mit ausreichenden Erweiterungsmöglichkeiten anbieten. Das BOW pachtet das Messegelände von der Stadt.

In den folgenden Jahrzehnten arbeiten Stadt und Messegesellschaft bei der Entwicklung des Standorts eng zusammen, flankiert vom Land Baden-Württemberg. Zu den wichtigen Phasen und Vorhaben beim Ausbau der heutigen Messe Villingen-Schwenningen zählen: 

1951-1959: Planungen und Vorbereitungen für den Umzug auf die grüne Wiese an der B 27. Der neue Standort bietet Raum für Wachstum, das Schwenninger Moos erweist sich aber als problematischer Untergrund. Das Gelände muss befestigt, entwässert, mit Strom und Wasser versorgt werden. Sukzessive entstehen Parkmöglichkeiten für Busse, Fahrräder, Motorräder und Autos – in den Anfangsjahren noch auf Naturboden.

1953 findet die erste „Südwest stellt aus“ auf dem neuen Messegelände statt. In den Folgejahren expandiert die Messe kräftig. 1959 ist sie die größte Veranstaltung ihrer Art in Baden-Württemberg. Manche Einrichtung und Infrastrukturmaßnahme kann mit dieser Geschwindigkeit nicht gleich mithalten und bleibt zunächst provisorisch.

1961: Das Gelände erreicht die obere Grenze der ihr zugedachten Größenordnung. Es ist auf eine Gesamtfläche von 104.000 m² ausgebaut und zählt 25 Ausstellungshallen mit 23.300 m² sowie 60.000 m² Freifläche. Das gesamte Gelände wird unter Einsatz beträchtlicher Mittel soweit wie möglich den Bedürfnissen der Besucher und der Aussteller entsprechend ausgebaut, kanalisiert, planiert und mit asphaltierten Wegen versehen. Das landwirtschaftliche Freigelände vergrößert sich um 30 Prozent. Das Festzelt steht jetzt auf einem Hartplatz. Eine dauerhafte Messehalle, heißt es, ist nicht zu bezahlen.
 

1962-1963: Die Stadt baut den Parkplatz am Messegelände. Das Empfangsgebäude am Haupteingang und das Haus für die Messe-Sonderdienste werden erweitert und modernisiert.
 
1967: Fortschritt vor allem für die Aussteller von Werkzeugmaschinen, die für ihre Exponate einen stabilen Untergrund benötigen: Erstmals steht eine feste Messehalle – Halle A – mit rund 1.700 m² zur Verfügung. Auf dem Messegelände ist außerdem eine Fertighaussiedlung mit zwölf Haustypen entstanden. Das neue Parkplatz-Areal beim Messegelände wird befestigt.
 
1969: Das 1952 für das Landesturnfest errichtete Eingangsgebäude der Messe weicht einem eingeschossigen Neubau. Dort befindet sich der Haupteingang mit Kassen. Die Büroräume werden rechts vom Eingang geschaffen. Die Räume auf der linken Seite sind für die Messedienste – Polizei, Post, DRK, Feuerwehr und Banken. Die Südwest Messe findet jetzt jährlich statt. Der neue Turnus werde den weiteren Ausbau des Messegeländes, insbesondere auch die Errichtung weiterer fester Hallen, erleichtern, heißt es in der Presse. Eine Stärkung des Messestandorts erhofft man sich auch durch die Pläne der Landesregierung, das Städtepaar Schwenningen/Villingen zum Oberzentrum zwischen Schwarzwald, Alb und Bodensee zu entwickeln. Erste Ideen, zwischen Villingen und Schwenningen ein neues, größeres Gelände auszuweisen, entstehen.

1972: Villingen und Schwenningen sind zur großen Kreisstadt Villingen-Schwenningen vereint. Die Werkzeugmaschinen-Ausstellung wächst. Die zweite, feste Messehalle B mit ca. 1.700 m² Grundfläche steht zur Verfügung. Sie ist beheizbar, verfügt über Duschen und Toilettenanlagen und kann von Sportvereinen als Trainingshalle genutzt werden.
 
1980er: Erstmals stehen für das Messegelände rund 10.000 Parkplätze bereit. Ersatz- und Erhaltungsinvestitionen in Zäune, Geländebefestigung und Strom stehen auf dem Programm.
 
1990er: Diskussionen um eine Verlegung und eine Modernisierung des Messegeländes prägen das Bild. Zunehmend wird Kritik laut. Alle Messestandorte im Land rüsteten auf. Schwenningen drohe ins Hintertreffen zu geraten. Die Messe spiele für die gesamte Region eine große Rolle. Anderswo gebe es massive Förderungen und dementsprechend dynamische Entwicklungen. Die Stadt beauftragt die icon Regio, Gesellschaft für Regional-, Verkehrsforschungs- und Standortentwicklung mbH, Nürnberg, die Entwicklungschancen des Messegeländes in Villingen-Schwenningen zu untersuchen. Das Gutachten liegt im Oktober 1996 vor. Gleichzeitig erarbeitet Messechef Kurt Langer ein Gutachten zur Entwicklung des Messegeländes. 

1998: Die Messe soll bald ausgebaut werden, so die Verwaltungsspitze. Das Vorhaben werde sich auf längst fällige Sanierungsmaßnahmen konzentrieren. Eine räumliche Ausdehnung, wie zum Beispiel einmal für den Zentralbereich angedacht, sieht man bei der Stadt mittelfristig nicht mehr. In zwei bis drei Jahren könnten Aussteller und Besucher dann ein „geliftetes“ Messegelände nutzen. Für eine dritte Halle rechne man mit Kosten von acht bis zehn Millionen Mark. Dafür werde die Stadt wohl noch länger brauchen, so die Prognose. Man wolle die Messe als Zugpferd nicht schwächen.
 
2001: Die Messehallen A und B werden umfassend renoviert und modernisiert. Der Investitionsaufwand liegt bei rund 1,5 Millionen Euro.
 
2002: Zur 43. Südwest Messe öffnet der neue Haupteingang zum Messegelände seine Pforten. Der Haupteingang ist um 45 Grad gedreht und hat einen separaten Eingang für die Aussteller sowie einen Eingang für Besucher. Auch die Kassen erhalten ein neues Domizil. Die klare, moderne Bauform wertet das Messegelände auf. Auf einer Fläche von 350 Quadratmetern finden die Messedienste Platz: Polizei, freiwillige Feuerwehr, Johanniter, Arbeitsagentur sowie die Zweigstelle der Sparkasse und das Pressebüro der Messe. Integriert ist auch das Service- und Ausstellungsbüro der Messeleitung. Der neue, 15 Meter hohe Messeturm wirkt weithin als Wahrzeichen. Nach dem Ende der Messe wird das Gebäude der Messeleitung erneuert.
 
2004: Premiere feiern die neuen Kassenhäuschen – eine schöne Visitenkarte, eine stabile und wetterfeste Alu-Konstruktion mit Heizung und Ventilator, die 660 Kilo auf die Waage bringt.

2006: Der bisherige Betriebshof auf dem Messegelände, eine gewachsene „Siedlung“ aus Kleinbauten und Containern, ist nicht mehr zeitgemäß und zu beengt. Für rund eine Million Euro entsteht ein neues Lager- und  Logistikgebäude. Da sich der vorhandene Untergrund als nicht tragfähig erweist, ist als Zusatzmaßnahme ein Bodenaustausch bis 1,60 m Tiefe notwendig. Insgesamt werden 4.400 m³ Boden ersetzt. Abschließend wird die ca. 2.000 m² große Hoffläche mit einer neuen Asphaltdecke versehen. Der Ausstellerparkplatz erhält neue, ins Erdreich verlegte Anschlüsse für Strom und Wasser.
Das Lager- und Logistikgebäude besteht aus zwei Baukörpern mit zusätzlichen überdachten Flächen: Das Dienstleistungsgebäude mit ca. 23 m Länge, 9 m Breite und 3,50 m Höhe beherbergt Büro- und Aufenthaltsräume der Messedienste sowie neue Sanitäranlagen für die Messebesucher. Das Lagergebäude – ca. 56 m lang, 10,50 m breit und 5,50 m hoch – stellt Lagerflächen für die Messedienstleister wie Ausstellungstechnik, Spedition, Elektroinstallation, Zeltbau oder Wasserinstallation sowie Räume für die Wache bereit.

2007: Die neue Messehalle C gibt dem Standort Villingen-Schwenningen Impulse und ein solides Fundament für die zukünftige Entwicklung. Die nächsten beiden Großveranstaltungen „Jobs for Future“ und „Turning Days“ warten schon sehnlichst auf ihr neues Zuhause: Diese Messen sind schnell über die bestehenden Hallen A und B hinausgewachsen. Bisher wird der zusätzlich benötigte Raum über Leichtbauhallen abgedeckt. Die neue Messehalle C erweitert die fest überdachten Flächen für Messen, Ausstellungen und andere Veranstaltungen um 2.000 m². Insgesamt stehen den Veranstaltern jetzt drei feste Hallen zur Verfügung, die einzeln oder als zusammenhängende Funktionseinheit mit 5.700 m² Grundfläche genutzt werden können. Die Investitionskosten für die Halle C betragen rund 2 Millionen Euro. Das Land Baden-Württemberg bezuschusst die förderfähigen Kosten mit 15 Prozent.

2008: Der Gemeinderat beschließt, die Parkplätze am Messegelände wetterfest zu machen. In der Mittelstraße auf dem Messegelände werden Wasser- und Stromleitungen erneuert und ausgebaut. Auf der gegenüberliegenden Seite der B 27 legt die Stadt einen Parkplatz an – als Ersatz für die Parkplätze, die durch die Umgestaltung des „Messeohres“ und den Neubau einer Tankstelle wegfallen.

Unter dem Titel „HausBauPark“ wird das Fertighausgelände neu eröffnet. Die umfangreichen Baumaßnahmen betreffen Beleuchtung, Kanalisation sowie Tor- und Zaunanlagen, Eingangsbereich und Straßen. Die Ganzjahresausstellung mit 12 Häusern sowie Garagen und Carports ist ein Anziehungspunkt für Bauinteressierte. Zur Neueröffnung findet ein zweitägiges Fest „Night and Day“ mit Fachvorträgen und Workshops rund ums Bauen statt. Highlight ist ein großes Barock-Feuerwerk mit Musik. Eines der Musterhäuser wird als „Seminarhaus“ genutzt. Die Umgestaltung kostet rund 300.000 Euro.

2008-2010: Um die expandierende Fachmesse Turning Days mit ihren tonnenschweren Maschinenexponaten am Standort Villingen-Schwenningen und damit in der „Hochburg des deutschen Maschinenbaus“ zu halten, werden auf dem Messegelände weitere rund 4.000 m² Boden bis auf eine Tiefe von 1,5 m befestigt und mit einem sehr tragfähigen, betonvergüteten Asphalt belegt.

Zwischen B27 und Messegelände entsteht eine Großtankstelle mit Servicebereich. Um den Verkehrsfluss zu optimieren, richtet die Stadt Villingen-Schwenningen einen Kreisverkehr ein. Als Ausgleich für die dort entfallenen Messeparkplätze baut die Stadt VS auf der gegenüberliegenden Seite der B 27 einen neuen Parkplatz für Messebesucher. Damit die Besucher bei Regen und Schnee trockenen Fußes in die Messehallen gelangen, werden die bestehenden Parkplätze gegenüber dem Haupteingang zum Messegelände befestigt.
Teile des Messegeländes erhalten eine neue Asphaltdecke. Zur Landesgartenschau 2010 werden die Messeparkplätze mit neuen Schranken ausgestattet.

 

Seit dem Jahr 2001 hat die SMA Südwest Messe- und Ausstellungs-GmbH insgesamt rund 6 Millionen Euro in die Infrastruktur des Messegeländes investiert. Insgesamt bietet das Messegelände Villingen-Schwenningen drei feste Messehallen, weitere rund 20.000 m² Fläche für Leichtbauhallen sowie rund 35.000 m² Freifläche, infrastrukturell erschlossen für Besucher und Aussteller, außerdem geländenahe Parkplätze sowie die Anbindung an den öffentlichen Personennahverkehr über Ringzug und Bahnbusse.

Messegelände und Messehallen befinden sich vollständig im Eigentum der Stadt Villingen-Schwenningen und sind von der SMA Südwest Messe- und Ausstellungs-GmbH gepachtet.